Hundeflüsterer zu Besuch

Interview

Can Gümüs, Deutschlands «Hundeflüsterer», kommt nach Liechtenstein. Er trainiert Herrchen und Frauchen zu kompetenten Rudelführern und resozialisiert verhaltensauffällige Hunde. In Kürze besucht er Liechtenstein und kann für Einzelstunden gebucht werden.

Herr Gümüs, Sie sind quasi die deutsche Version des bekannten Hundeflüsterers Cesar Millan und vertreten die gleichen Grundsätze. Welche sind das?
Can Gümüs: Danke für das Kompliment. Es ist für mich eine grosse Ehre, mit Cesar Millan verglichen zu werden. Ich halte mich an die Prinzipien des Rudelführers. Wir sollten in erster Linie dafür sorgen, dass unsere Hunde ihre Bedürfnisse gestillt bekommen. Das sind Auslauf, Disziplin und Zuneigung. Für viele Hundehalter ist dies ein grundsätzliches Problem. Wenn wir das unseren Hunden bieten können, dann werden wir entspannt mit ihnen zusammenleben.

Haben Sie bei Cesar Millan gelernt?
Leider nicht, aber ich denke, dass es dort einige Parallelen gibt bezüglich unserer Vergangenheit. Und deshalb auch die Nähe zu den Tieren. Es ist nicht einfach, in einer Gesellschaft seinen eigenen Standpunkt zu finden. In der Natur ist es egal, was man trägt oder wie man aussieht. Sie interessiert sich nur dafür, wie wir uns fühlen.

Bei der Arbeit mit Tieren sind in den allermeisten Fällen die Menschen das «Problem». Ist es schwierig, das zu kommunizieren?
Ja, weil Menschen sehr konditioniert sind. Es fällt ihnen sehr schwer, loszulassen und ihren Instinkten zu vertrauen. Die Hunde spüren das und verhalten sich dementsprechend. Wissen Sie, über Gefühle und Emotionen zu reden, ist nicht einfach – und sie zu erklären noch weniger. Will man das Verhalten seines Hundes ändern, muss man erst den Glauben an das Mögliche haben. Die Resultate, die wir uns vorstellen können, sind die, die wir bekommen.

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Can Gümüs mit Hunden

Sehen Sie sich als Dolmetscher zwischen Mensch und Tier?
Dolmetscher ist vielleicht das falsche Wort. Ich bringe den Menschen die Natur näher, denn unser Alltag untergräbt unsere Natur und unsere Instinkte. Wir machen das, was man uns vorschreibt. Das ist in der Natur nicht so. Ohne Instinkte kann man nicht überleben. Stellen sie sich mal eine Blume vor, die Sie pflanzen. Sie brauchen nicht viel dafür, aber ohne Wasser, Sonne und Geduld geht es nicht. So ist es auch bei den Hunden …

Was sind die häufigsten Probleme, mit denen Sie konfrontiert werden?
Dass Hunde ihre falsche Position im Zusammenleben mit Menschen haben. Viele Menschen lassen einfach ihren ganzen Alltag von ihren Hunden dominieren. Sie vermenschlichen ihre Hunde viel zu oft und überfluten sie mit Zuneigung. Das grösste Problem ist, dass Hunde eine emotionale Lücke füllen müssen. Ein Hund kann nicht das Kind oder den Liebsten ersetzen, da ihn das aus dem Gleichgewicht bringt.

Wie findet man den richtigen Hund?
Man sollte sich im Vorfeld Gedanken machen, welcher Hund am besten zum eigenen Lebensstil passt. Einer Familie, die viel arbeitet, würde ich nicht unbedingt empfehlen, einen ausgeprägten Jagdhund anzuschaffen. Nur weil man in einem Schloss lebt, heisst es nicht, dass man frei ist. Was ich damit sagen will ist: Ein schönes Zuhause reicht einem Hund nicht. Man sollte sich überlegen, ob man mit der Lebensweise, die man lebt, dem Tier gerecht wird. Ich finde, man sollte in erster Linie auf die Energie des Hundes und nicht auf sein Aussehen oder seine Rasse achten.

Wo holt man sich Rat?
Tja, wo holt man sich Rat … Am besten da, wo Menschen ihren Instinkten und ihren Gefühlen freien Lauf lassen und dem Hund nicht mit menschlicher Psychologie  begegnen. In Deutschland hätte ich eine gute Adresse, hier bin ich auch ein paar Mal im Jahr.

Sie sind in Kürze zu Besuch in Liechtenstein. Was werden sie den «Hündelern» hier zeigen?
Den einen oder anderen «Hündeler» dran erinnern, dass es nur einen Fürst im Land gibt (lacht). (jn)

Quelle:  28. Jun 2016 / 10:58 Liewo